Storytelling – Teil 1: Das Geheimnis von Geschichten

Storytelling – Teil 1: Das Geheimnis von Geschichten



… weil wir Geschichten einfach lieben, oder nicht?

Titelbild_Storytelling

Wer kennt nicht die Geschichten aus „Janosch Traumstunden“ vom kleinen Tiger und dem kleinen Bär?

Die zwei besten Freunde, die sich, inspiriert von einer Bananenkiste mit der Aufschrift „Panama“, auf die Reise nach Panama machen und dabei zahlreiche Abenteuer erleben. Letztlich kommen sie an einer verlassenen Hütte an, die so viel Geborgenheit und Schönheit ausstrahlt, dass sie dort leben wollen. Beim Eintreten in die Hütte erkennen sie, dass es ihr Zuhause ist.
Lag dieses Buch nicht in jedem Wartezimmer einer Zahnarztpraxis aus? Und haben wir als Kinder nicht mit dem kleinen Tiger und dem kleinen Bär mitgefiebert und dabei vollkommen vergessen, dass wir eigentlich gleich dem Zahnarzt unsere Zähne zeigen dürfen … oder wohl eher müssen?
Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Dabei sind meine Kindertage schon ein paar Jahrzehnte her. Doch wenn ich etwas durch die Geschichte „Oh wie schön ist Panama!“ gelernt habe, ist es, dass es zu Hause am schönsten is

Gute Geschichten ziehen uns Menschen in ihren Bann. Wir vergessen die Welt um uns herum und wir tauchen auf eine vollkommene Art und Weise in die Geschichte ab. Wir fiebern mit den Helden mit und hoffen inständig, dass sie letztlich ein Happy End erleben werden. Doch warum ist das eigentlich so?

Wenn wir einmal einen Blick in das menschliche Gehirn werfen, stellen wir fest, dass unser Gehirn in Geschichten denkt. Es kann gar nicht anders, als für uns bedeutungsvolle Informationen in Form von Geschichten abzuspeichern. Und genau an dieser Stelle … ja genau JETZT

Storytelling_Geschichte der Menschheit

 

machen wir einen Sprung in die Evolutionsbiologie. Denn bereits in der Steinzeit, der frühesten Epoche der Menschheit, haben Menschen wichtige Informationen mittels Geschichten weitergegeben. Dies zeigen zahlreiche Malereien auf den Wänden von Felsen und Höhlen, die von unseren Freunden aus der Steinzeit mit Farben und unter der Verwendung von Wisch- und Sprühtechniken erschaffen wurden.

Da ist zum Beispiel Manfred, unser Lieblings-Steinzeitmensch. Manfred richtet seinen Tagesablauf nach den Jahreszeiten aus und hat sich über die Jahre beim Jagen einen großen Wissensschatz angeeignet. Als ältestes Mitglied ist Manfred für das Überleben seiner 55-köpfigen Horde verantwortlich, mit der Manfred seit Tagen eine Herde Mamuts verfolgt. Es ist Spätherbst und die Temperaturen sind eisig. Er weiß, dass es auf die heutige Jagd ankommt. Manfred hat alles vorbereitet, wie er es in den zahlreichen Geschichten von seinem Großvater am Lagerfeuer gelernt hat. Seine Geheimwaffe, die 2,5 Meter lange Stoßlanze, liegt neben ihm. Ein Stoß ins Herz des Giganten und das wars. Ein Stoß und seine Familie würde den harten Winter überleben. Manfred zittert vor Kälte. Es ist dunkel. Warum ist ausgerechnet in dieser Nacht kein Mond am Himmel zu entdecken?
Plötzlich vernimmt Manfred ein Rascheln. War das ein Mammut? Oder doch der lebensgefährliche Höhlenlöwe, der ebenfalls auf Jagd ist? Das Rascheln wird lauter. Manfred schließt die Augen, genauso wie er es auf vielen Höhlenmalereien gesehen hat. Der Boden bebt. Manfred ist sich sicher: es ist ein Mammut. Er nickt seinen vier Jagdkumpanen zu, packt die Stoßlanze und rennt auf den Giganten zu. Als das Mammut Manfred und die anderen Männer entdeckt, steckt bereits die 2,5 Meter lange Lanze in seinem Herzen. Mit einem lauten Gebrüll geht das Mammut zu Boden. Manfred hat es geschafft.

Was lernen wir aus dieser Geschichte?
Nun, zum einen können wir daraus lernen, Geschichten grundlegend eine soziale Funktion haben. Menschen sozialisieren sich in der Gemeinschaft, zum Beispiel in Form von Horden, Stämmen, Familien und Vereinen. Solche Gemeinschaften zeichnen sich dabei durch die Kommunikation mit anderen Menschen aus. Die Kommunikation ist dabei mindestens zu 80% durch das Erzählen von Geschichten definiert. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich Geschichten für gewöhnlich um soziale Inhalte drehen. So erzählt beispielsweise Manfreds Großvater am Lagerfeuer, wie er zahlreiche Mammuts erlegt hat. Heute erzählen wir unseren Freunden, wie wir erfolgreich unsere Präsentation vor der Geschäftsführung gehalten und für unsere Idee gewonnen haben.

Dies führt uns direkt zum nächsten machtvollen Vorteil von Geschichten: Der Reduktion von komplexen Informationen. Egal ob mutige Steinzeitmenschen wie Manfred oder kompetente Geschäftsfrauen wie Julia im Jahr 2019 – früher wie heute sind wir Menschen einer Sinnesflut an Informationen ausgesetzt. Denken Sie nur mal an die Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten bei Power Point Folien! Wie wollen Sie die Agenda Ihrer Präsentation gestalten? Mit Aufzählungszeichen oder doch lieber mit einer Nummerierung? Oder lassen Sie die Agenda doch lieber weg, denn Ihre Präsentation ist gar nicht so lange? Welche Schriftart verwenden Sie eigentlich? Und welche Farbe hat Ihr Folienlayout?

Fragen über Fragen, die es zu beantworten gilt. Auf den Punkt gebracht, dürfen wir Menschen eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, die jedoch nur möglich ist, weil unser Gehirn grundlegend in der Lage ist, wichtige Informationen herauszufiltern. Denn vielleicht ist es für Sie gar nicht wichtig, welche Schriftart Sie verwenden. Vielleicht wurde diese bereits im Corporate Design Ihres Unternehmens festgelegt und Sie brauchen sich die genannte Frage gar nicht stellen. Wahr oder wahr?

Und was ist mit wirklich wichtigen, also überlebenswichtigen Fragen?
Wie wir an Manfreds Geschichte feststellen können, hat Manfred aus den Geschichten seines Großvaters gelernt, wie er idealerweise ein Mammut erlegt. Er hat gelernt, dass er Mammuts nachts jagen und dazu eine 2,5 Meter lange Stoßlanze verwenden sollte. Doch ist das für heute immer noch gültig?

Nun, nehmen wir einmal an, dass ihr Partner Sie betrogen hat. Vertrauen Sie Ihrem Partner trotz des mehrmonatigen Seitensprungs? Und hat Ihre Arbeitskollegin Julia nicht erst vor zwei Wochen erzählt, dass ihr Partner zum widerholten Male fremd gegangen ist? Julia saß deswegen wochenlang abends allein vor dem Fernseher. Mit Tränen im Gesicht hat sie ihren Frust und ihre Wut mit cremigen Eis und leckerer Schokolade in sich hineingefressen. Julia sagt, dass sie 7kg zugenommen hat! 7kg! Sie steht jetzt vor der großen Herausforderung, den ganzen Kummer wieder abzutrainieren. Hmmm… kann ich meinem Partner wirklich noch vertrauen?

Naaa…. Läuft bei Ihnen gerade ein Film im Kopf ab? Können Sie sich in Julia hineinversetzen? Vielleicht empfinden Sie ja sogar Mitleid mit Julia. So oder so zeigt dieses Beispiel, dass überlebenswichtige Informationen, und dazu zählen beispielsweise Partnerschaften und Fortpflanzung nun mal, von unserem Gehirn automatisch in Form von Geschichten abgespeichert werden. Wir Menschen sind von Natur aus ein geschichteerzählendes Wesen.

Dazu zählt ebenfalls unser Lebenssinn. Wir erzählen uns selbst und unseren Mitmenschen den Lebenssinn in Form von Geschichten. Oder wie haben Sie sich beim letzten Vorstellungsgespräch präsentiert? Geschichten haben damit eine sinnstiftende Wirkung.

Was ist nun das Fazit?
Menschen lieben definitiv Geschichten!
Wir erzählen von Natur aus Geschichten, um

  • sich in Gemeinschaften zusammenzufinden
  • komplexe Informationen leicht zu kommunizieren
  • überlebenswichtige Informationen weiterzugeben
  •  ihren Leben einen Sinn zu geben

Wäre es daher nicht ganz schön clever, auch im unternehmensspezifischen Kontext Geschichten zu erzählen?
Die Antwort und die Zutaten für eine richtig überzeugende Story gibt es in einem weiteren Blogbeitrag.

….… oder anders gesagt…. Fortsetzung folgt….

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